Lauwersoog – Gieselauschleuse

Am Morgen kochen wir uns das Essen für die Nacht, danach noch ein gutes und ausgiebiges Frühstück. Um 0930 legen wir los, gemeinsam mit ‚Sherpa‘ geht es in die Robbengatsluis und um 1000 sind wir schon draußen im Wattenmeer. Es geht noch etwas langsam vorwärts, da wir noch Gegenstrom haben Langsam dreht der Wind von SE über E auf NE, wir segeln ab Engelmannsplaats bis zum Westgat, dann sind wir auf der Nordsee. Wir kreuzen bis zum Hubertusgat auf, dann nehmen wir den Motor zur Hilfe, da wir befürchten, dass uns Zeit davon läuft. Endlich gegen 1730 dreht der Wind auf die versprochene N-Richtung und wir können ab dem Rifgat bei Borkum wieder segeln. ‚Sherpa‘ ist unser treuer Begleiter und segelt ein paar Meilen vor uns. Der Wind ist prächtig und bringt uns gut voran, sodass wir um Mitternacht auf der Höhe der Otzumer Balje bei Langeoog sind. Zum Abend gibt es unser vorbereitetes Essen und während der ganzen Zeit lernt Clara in allen Lagen, wenn sie nicht gerade Wache hat, zu denen wir uns alle 2 -2,5 h abwechseln.

Clara liebt am Wind Kurse

Bei der Jade-Einfahrt sind wir ‚Sherpa‘ bis auf wenige 100 Meter nähergekommen. Ich wecke Clara, als wir südlich des großen Felds mit Ankerliegern zwischen Jade und Weser vorbeifahren – zwei Augenpaare sehen mehr als eins. Kurz nach 4 Uhr sind wir in der Elbmündung. Obwohl der Wind weiterhin prima bläßt geht es nur noch langsam voran – wir sind zu früh und haben Gegenstrom. Kurz vor acht erreichen wir Cuxhaven, erst kurz danach kippt die Strömung. Weiter geht es die Elbe hinauf. Das Wetter verschlechtert sich, wir bergen die Segel und motoren bis zur Schleuse in Brunsbüttel, die gerade öffnet, als wir dort ankommen. Wieder mal Glück gehabt! Mit uns in der Schleuse ist auch ‚Sherpa‘, die uns auf der Elbe unter Motor davongefahren war. Im Nordostseekanal fahren wir noch die 40 km bis zur Gieselauschleuse, wo wir an den Wartesteigern festmachen. Es gibt noch ein schnelles Spaghetti-Gericht, bevor wir hundemüde in die Kojen fallen. Wir haben es geschafft – das ‚Dreamteam‘, wie Clara uns nannte.

(92,5 nm gesegelt, 69,5 nm unter Motor)

Lelystad – Warga – Lauwersoog

Am Samstagvormittag holen wir noch das Winterzelt vom Segelmacher ab, verabschieden uns von der Hafen-Crew in Lelystad, dann heißt es ‚Leinen los‘. Bei schönem Wetter geht es die ersten Meilen noch unter Maschine Richtung Lemmer, dann können wir die Segel setzen – das erste Mal in diesem Jahr! In Höhe Urk ist aber die Freude schon zu Ende, da der Wind nachlässt und wir noch viel Strecke vor uns haben. Nach einiger Wartezeit schleusen wir in die Pr. Margrietsluis ein, dann geht es in die Staande Mast Route. Wir müssen nie allzu lange vor den Brücken warten, aber dann ist kurz nach 20 Uhr an der Brücke bei Warga Schluss. Wir kochen uns noch ein leckeres Wok-Gericht, bevor wir müde in die Kojen fallen, Clara vom vielen Übungsrechnen, die sie an Bord zur Vorbereitung ihrer Klausur in Mechanik durchführt, ich vom Steuern.
Pünktlich um 9 Uhr öffnet die Brücke – wir können weiterfahren! Die Durchfahrt durch Leeuwarden kostet wie immer viel Zeit – gegen 12 Uhr können wir dann endlich auch die Stadt hinter uns lassen. In Burdaard halten wir an einem kleinen Lädchen – Clara springt rein, um Geld zu wechseln – das Kleingeld ist uns an der letzten Brücke in Leeuwarden ausgegangen. Auf der anderen Seite liegt das Segelboot ‚Sherpa‘, das uns – in diesem Moment nicht ahnend – in den nächsten Tagen ein treuer Begleiter sein wird. Es geht weiter durch Dokkum und weiter zur Schleuse, die ins Lauersmeer und Richtung Lauersoog führt. Dort gehen wir in den Jachthafen auf der Innenseite, da der auf der Außenseite zu ungemütlich ist und wir es auch am nächsten Morgen nicht eilig haben. Clara arbeitet emsig weiter, während ich die Vorbereitungen für die Nachtfahrt auf der Nordsee treffe: AIS-Sender in den Rettungswesten befestigen, Lifelines an Bord befestigen, Rettungsrolle einhängen, Schwimmboje überprüfen, Lichter testen, … Beim Hafenmeister treffe ich die Crew der ‚Sherpa‘ und eines anderen Boots, das auch über die Nordsee will. Wir haben ganz ähnliche Pläne, auch sie wollen Richtung Kiel und in die Ostsee. Die Vorhersage ist günstig: der Wind soll über Nordost nach Nord drehen und dies nur für die nächsten 24 Stunden – das einzige und ideal Wetterfenster für uns!! Zum Abendessen hole ich uns noch zwei Portionen ‚Fish `n Chips‘ vom Fisch-Restaurant an der Schleuse. Dann geht’s wieder früh in die Kojen, da die nächsten 36 Stunden anstrengend werden.

Prolog

Dieses Jahr wollen wir unser Boot nach Schweden überführen und an der dortigen Ostküste unseren Urlaub verbringen. Der Liegeplatz in Lelystad ist gekündigt, die meisten Vorbereitungen und Wartungsarbeiten sind abge

Vorbereitungen für den Schwedentörn

schlossen, aber wie immer, ist nicht alles fertiggeworden. Es ist auch ein seltsames Gefühl unsere vertraute Umgebung und unseren Liegeplatz, zuerst für Ioanna, dann mit unserem heutigen Boot, nach fast 9 Jahren aufzugeben. Wir haben hier viele Freunde gefunden und auch im Umgang mit Booten gelernt – wir werden dies sicherlich missen.

Clara wird mich die erste Etappe der Überführung über die Nordsee bis Kiel begleiten, wo dann Ingrid und Reinhard dazukommen werden, um unser Boot nach Bornholm und die Südostspitze Schwedens zu überführen. Unterwegs werden dann noch Freunde aus München dazu stoßen – Ines und Pedro.

Oudeschild (Texel) – Lelystad

(19. Aug 2016)

Um 7:30 lösen wir die Leinen, Kicki und Jost winken uns zum Abschied zu. 2.5 h später sind wir an der Schleuße in Den Oever, wo wir Glück haben und noch als letztes Schiff einfahren können. Nach der Schleuße können wir Segel setzen und kreuzen in Richtung Enkhuizen – Absegeln am Wind bei Sonnenschein. Kurz danach ist Schluss mit Segeln und eine halbe Stunde bevor unseren Heimathafen erreichen setzt der Regen ein. Um 18:30 sind wir fest an unserem Liegeplatz.

(27,5 nm gesegelt, 20,5 nm unter Motor)

Den Helder – Oudeschild (Texel)

(18. Aug 2016)

Früh um 8:30 laufen wir aus und kreuzen bei herrlichem Wind nach Oudeschild auf. Im dortigen Yachthafen ergattern wir zwei benachbarte Liegeplätze. Kicki bleibt am Boot, während wir anderen Räder leihen und eine Texel-Runde über Den Burg, De Cocksdorp, Strand und Watt fahren. Zwischendurch machen wir Rast am Strand und genießen unseren letzten Sonnensommerferientag. Abends teilen wir wieder alles und es wird feucht fröhlich. Am nächsten Morgen werden Kicki und Jost mit ihrem Gast Jörg weiter Richtung Alkmaar ziehen, während für uns der letzte Urlaubstag anbricht.

(10,0 nm gesegelt, 1,0 nm unter Motor)

Alkmaar – Den Helder

(17. Aug 2016)

Um 9:00 legen wir ab und wollen möglichst zügig Richtung Den Helder auf den Kanal, schaffen die Eisenbahnbrücke, kommen dann aber an der letzten Brücke von Alkmaar Ri. Nord nicht mehr weiter. Die Brücke ist defekt und muss erst repariert werden. Kurz nach 11 Uhr geht es endlich weiter. Entlang des Kanals verläuft an Backbord die Landstraße, an Steuerbord die Dorfstraße, die immer wieder durch schwimmende Brücken verbunden sind. Es läuft gut, die Brücken öffnen sich meist recht schnell, nach dem wir Kontakt mit den Brückenwärtern aufnehmen. Nur an der Seeschleusse in Den Helder dauert es länger. Im königlichen Yachthafen angekommen können wir schon Kicki auf der Pier winken sehen. Wir feiern unsere Wiedersehen und lassen den Abend ganz gemütlich ausklingen.

(25,0 nm unter Motor)

Amsterdam – Alkmaar

(16. Aug 2016)

Wir wollen in den letzten Urlaubstagen noch unsere Freunde Kicki und Jost treffen, die auf dem Weg nach Texel sind. Der N-Wind hat inzwischen auf NNE gedreht, so dass wir auch durchs Ijsselmeer nur schwer gegenan hätten fahren können. Wir beschließen, durch den Noordhollandsch Kanaal zu fahren, eine Strecke bei der wir mit stehendem Mast von Amsterdam nach Den Helder gelangen können. Wir fahren zurück nach Zaandam, von wo es über Zijkanaal G, die Voorzaan und die Wilhelminasluis in die Zaan geht. Es riecht nach Kakao – wir passieren große Lagerhäuser, in denen wohl Kakaobohnen gelagert sind und am Rande stehen große Schokoladenfabriken. Es zieht sich, aber irgendwann können wir die Stadt hinter uns lassen, setzen Segel und können die letzte Strecke bis und durchs Alkmaardermeer ohne Motor fahren. Von dort geht es in einen Kanal, der parallel zur Landstraße verläuft und wir erreichen kurz nach 14:30 Alkmaar, wo wir neben der Bierkade festmachen. Wir schlendern durch die Altstadt, die gemütliches, holländisches Ambiente ausstrahlt. Durch die kleinen Gassen geht es, in denen Läden mit Dingen voll sind, die man nicht braucht, kitschig und Farben froh. Nach dem Essen an Bord genießen wir das Nachtleben auf dem alten Markt neben dem Käsemuseum.

(5,0 nm gesegelt, 21,0 nm unter Motor)

Ijmuiden – Amsterdam

(15. Aug 2016)

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es um 10:30 Richtung Amsterdam. Wir haben Glück an der Schleuße von Ijmuiden und können direkt einfahren – vor uns eine Megayacht. Dann geht es den Noordzeekanaal bis zum Sixhaven, indem wir zur besten Zeit um 13:30 ankommen und einen sehr schönen Liegeplatz bekommen. Das Boot gut vertäut geht es auf die Fähre, die uns auf die andere Seite des Kanals zum Bahnhof bringt.

Wir erstehen einen wp_20160815_14_38_54_proReiseführer und machen uns bei herrlichem Weg daran, Amsterdams Altstadt zu erkunden. Es ist sehr voll! Vom Nationaldenkmal geht es zum Königlichen Palais, der Nieuw Kerk, wo wir an der Ecke in einem gemütlichen Cafe uns stärken. Gravenstraat, Westerkerk, Anne Frank Haus (die Schlange davor geht bis ans andere Ende der Westerkerk). Von dort geht es in den Jordan (ehemaliges Arbeiterviertel) und hier wird es richtig schön, als wir in die dortige Grachten gelangen. Wir genießen die Atmosphäre und lassen die Seele baumeln. Aufpassen muss man als Fußgänger in Amsterdam vor allem vor den Radfahrern, die in der einen Hand das Smartphone halten, mit der anderen Hand das Fahrrad durch den dichten Verkehr lenken und wenig Respekt vor den anderen Verkehrsteilnehmern zeigen.

(14,0 nm unter Motor)

Southwold – Ijmuiden

(13./14. Aug 2016)

Der Wind hat über Nacht sehr nachgelassen und ist jetzt fast zu wenig. Die Wettervorhersage sagt nach wie vor WSW voraus, der im Lauf des nächsten Tages auf NE drehen soll. Kurz vor Niedrigwasser laufen wir ohne Problem aus. Die Strömung in dem engen Flussbett kann sehr stark sein und beim Manövrieren Schwierigkeiten bereiten, wie wir es auch am Tag zuvor bei einer belgischen Segelcrew im anderen Päckchen erlebt hatten. Mit viel Geschwindigkeit wurden sie auf die vor ihnen liegenden Motorbooten draufgetrieben und dabei einen Pfahl an Land verbogen wurde.

Vor der Hafenausfahrt setzen wir Segel, die wir aber leider bald wieder einholen, da der versprochene Wind immer mehr abflaut. Leider bleibt die Welle von den Tagen zuvor, so dass wir heftig durchgeschaukelt werden. Kurz nach 20 Uhr erreichen wir die westliche Seite der Deepwater (DW) Rinne – von jetzt an gilt es noch mehr auf der Hut zu sein. Kurz vor 23 Uhr haben wir die DW Rinne passiert und Ingrid übernimmt die Wache. Hatte ich gedacht, dass es jetzt etwas ruhiger wird, so hatte ich mich ziemlich getäuscht. Jetzt kommen die Schiffe scheinbar aus allen Richtungen, aber Ingrid kann mit Hilfe des AIS in Kombination mit dem Plotter sehr gut die Kollisionskurse einschätzen und entsprechend die Ausweichkurse planen. Die angekündigte Winddrehung zuerst auf NW und dann immer mehr auf N setzt ein und damit frischt der Wind auf. Um 4 Uhr können wir den Motor ausmachen und gleiten unter Segel weiter Richtung Ijmuiden. Bei Tagesanbruch erreichen wir die Verkehrstrennungsgebiete vor Ijmuiden, müssen noch zwei großen Frachtern ausweichen bevor es zwischen TSS Ijmuiden Approach und dem neu entstehenden Windpark im Süden davor auf die Einfahrt von Ijmuiden zugeht. Um 11:45 sind wir fest in der Marina Ijmuiden: Ingrid klart das Schiff auf während ich uns anmelde.

Später machen wir noch einen ausgiebigen Spaziergang am Sandstrand von Ijmuiden, bevor es zurück zum Schiff geht. Abendessen und frühes zu Bettgehen.

(52,5 nm gesegelt, 58,0 nm unter Motor)